Wie am Dienstagmorgen, dem 1. Juni, offiziell bekanntgegeben wird, ist die Übernahme des Unternehmens TenCate Geosynthetics mit Sitz in Pendergrass, Georgia, durch den in Montreal ansässigen Geokunststoffhersteller Solmax abgeschlossen. Jean-Louis Vangeluwe, Präsident bei Solmax, sprach mit der Zeitschrift Geosynthetics über die Übernahme und seine Erwartungen an das neu gegründete Unternehmen als weltweit größter Hersteller, Anbieter und Vertreiber von Geokunststoffen. Die Fragen und Antworten wurden aus Gründen der Übersichtlichkeit leicht bearbeitet.


Einen vergleichbaren „One-Stop-Shop“ für nahezu alle Arten von Geokunststoffen, wie er für das neue Unternehmen geplant ist, scheint es noch nicht zu geben. Welche Vorteile sehen Sie in einem Geokunststoff-Unternehmen dieser Größenordnung?


Der Markt für Geokunststoffe ist in zwei Bereiche unterteilt: Auf der einen Seite der Sektor mit Produkten für die Umweltsicherung (Abfallmanagement, Bergbau, Aquakultur und Schiefergasförderung), in dem in erster Linie Kunststoffdichtungsbahn eingesetzt werden, und auf der anderen Seite der Sektor mit Produkten für die Infrastruktursparte (Transport, hydraulische Infrastruktur, Gebäudefundamente und Küstenerosion), in dem vorwiegend Geotextilien Anwendung finden. Jetzt werden diese beiden Welten zum ersten Mal in einem Unternehmen zusammengeführt, und Solmax geht davon aus, dass dadurch ein Mehrwert geschaffen wird. Dahinter stand die Idee, mit einem globalen Ansatz zu arbeiten und sich nicht auf eine zu eng gesteckte geografische Herangehensweise ohne Möglichkeiten für eine signifikante Einflussnahme zu beschränken. Wir können nun vielmehr mit einem umfangreichen Produktportfolio sowie fachspezifischen technischen Support agieren. Auf diese Weise wollen wir neben Optionen für ein Cross-Selling der Produkte zwischen den Sektoren auch ein Angebot für ganz neue Möglichkeiten schaffen.


Darüber hinaus entsteht allein durch die kritische Größe und Reichweite, die sich aus dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen ergibt, ein echter Marktführer, der Spezifikationen und Innovationen auf dem Gebiet der Geokunststoffe vorantreiben und das Bewusstsein für Geokunststoffe stärken kann. Bislang ist die Branche stark fragmentiert, und die wenigen Unternehmen, die sich auf die Entwicklung und Förderung von Geokunststoffen konzentrieren, haben nur begrenzte finanzielle Möglichkeiten und verfügen im Hinblick auf den Umsatz, das Produkt oder die geografische Lage auch nur über eine begrenzte Reichweite. In gewisser Weise war das Wachstum der Geokunststoffbranche in den letzten zehn Jahren enttäuschend, obwohl aufgrund zunehmender Urbanisierung, strenger Umweltauflagen und wachsender Bevölkerungszahlen mit einer Zunahme des Bedarfs an Geokunststoffen zu rechnen sein sollte. Das macht sehr deutlich, dass es in dieser Branche, die sich zu lange durch Fragmentierung ausgezeichnet hat, bislang kein Unternehmen gab, das eine Führungsrolle einnehmen konnte.


Bei den Produkten der beiden Unternehmen gibt es einige Überschneidungen, insbesondere bei Vliesstoffen für Geotextilien. Wird das neu gegründete Unternehmen die Herstellung, den Verkauf und den Vertrieb der Produkte, für die es Überschneidungen bei den beiden Unternehmen gibt, fortsetzen?


Es besteht keine echte Überschneidung. Die von Solmax hergestellten Geotextilien waren für den internen Gebrauch bestimmt (vertikale Integration dort, wo es sinnvoll ist). Bei dieser Übernahme handelt es sich um eine komplementäre Übernahme. Aus Mitarbeiterperspektive ist das großartig, denn für die Mitarbeiter bieten sich dadurch viele Möglichkeiten, Neues zu lernen und sich beruflich weiterzuentwickeln. Aus der Unternehmensperspektive stellt die Übernahme allerdings eine Herausforderung dar. Denn es gehört einiges dazu, im Hintergrund alle Fäden zusammenzuführen und so zu verknüpfen, dass neue Werte geschaffen werden.


Die Unternehmenskultur von Solmax und TenCate Geosynthetics scheint beim verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt und bei der Nachhaltigkeit starke Überschneidungen aufzuweisen. Welchen weiteren Beitrag wird das neu gegründete Unternehmen Ihrer Meinung nach zu diesen gemeinsamen Unternehmenswerten leisten?


Also Nachhaltigkeit wird weiterhin Kernthema unseres Geschäfts sein. Wir haben jetzt auch einen Manager für Corporate Social Responsibility (CSR) eingesetzt. Der CSR ist für die unternehmerische Gesellschaftsverantwortung zuständig und direkt dem CEO unterstellt. Zum aktuellen Zeitpunkt analysieren wir alle Informationsquellen, um die Fragen zu klären, wie nachhaltig Geokunststoffe sind, wo wir als Unternehmen bei diesem Aspekt stehen und wo unsere Kernprioritäten liegen müssten, um zur Reduzierung des Treibhauseffekts und des Klimawandels beizutragen. Darüber hinaus werten wir auch unterschiedliche verfügbare Rahmenbedingungen aus. Auf der Basis dieser Auswertung wollen wir darüber entscheiden, wie wir in Zukunft ein Monitoring unserer Aktionen im Hinblick auf den CO2-Fußabdruck umsetzen können. Die Nachhaltigkeit nimmt heute eine ebenso wichtige Rolle ein wie die Finanzen. Wer den Aspekt der Nachhaltigkeit vernachlässigt, wird in naher Zukunft keine Investoren mehr finden, die bereit sind, für weiteres Wachstum in das Unternehmen zu investieren. Doch das ist nicht ausschlaggebend. Denn es ist auch jetzt schon Teil des erklärten Firmenziels beider Unternehmen, die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Umwelt zu reduzieren. Wir werden uns auch an der Stiftung der internationalen Gesellschaft für Geokunststoffe, der International Geosynthetics Society (IGS), beteiligen und uns darüber hinaus so weit wie möglich an einem Großteil der Aktivitäten zur Förderung des Bewusstseins für Geokunststoffe beteiligen. Wir hoffen, dass die Branche sich weiter konsolidiert und unsere Bemühungen, größere Marktanteile für Geokunststoffe zu erreichen, unterstützt. Es gibt viel zu tun.


Welche wirtschaftlichen Vorteile bietet das neu gegründete Unternehmen den Kunden? Bitte gehen Sie in Ihrer Antwort auf die Bereiche Technik, Verkauf und Vertrieb ein.


Für Ingenieure werden wir zu einer wichtigen technischen Anlaufstelle für die Dimensionierung und bieten Zugang zu allen Arten von Geokunststoffen – und das überall. Wir können mit den Ingenieuren grundsätzlich an allen Herausforderungen im Zusammenhang mit Containment, Stabilisierung, Trennung, Erosionsschutz und Dränung arbeiten. Die Unterstützung der Ingenieurgemeinschaft wird weiterhin Teil unserer Arbeit sein. Wir werden sie niemals ersetzen können, aber wir werden sie darin unterstützen, bei ihrer Planung häufiger auf Geokunststoffe zu setzen.


Für unsere Kunden werden wir zahlreiche Probleme im Kontext des Baustellenmanagements lösen. Denn mit uns haben sie eine Anlaufstelle für alle Aspekte der Lieferung. Wir werden dem Vertriebsnetz ein interessantes Produktpaket anbieten können, durch das zusätzliche Möglichkeiten eröffnet werden. Wir werden über die finanziellen Mittel verfügen, Innovationen voranzutreiben, den technischen Aspekt der Geokunststoffe zu stärken, Produkte mit Mehrwert zu erschaffen und die Kommodifizierung zu reduzieren. Wir werden aufgrund unserer Größe Veränderungen unseres Geschäftsbetriebs vornehmen können und so hoffentlich für mehr Digitalisierung in der Branche sorgen sowie die Abwicklung von Geschäften mit unseren Kunden vereinfachen. Wir werden unseren Fokus auf Geokunststoffe legen und Brücken zwischen den beiden Sektoren im Bereich der Geokunststoffe bauen. Wir wissen noch nicht, wohin das führen wird, aber wir sind sicher, dass es viele neue Möglichkeiten des Wachstums mit sich bringen wird. Und dann hängt es wohl auch von den Kunden selbst ab. Sie haben jetzt Zugang zu einem Giganten in der Geokunststoffbranche. Wie können sie davon profitieren? Sie werden strategisch denken müssen, um diese neuen Möglichkeiten zu nutzen.


Das zusammengelegte Unternehmen wird über eine noch größere Anzahl von Niederlassungen und Produktionsstätten auf der ganzen Welt verfügen. Auf welche der Märkte, in die Sie mit dem neu gegründeten Unternehmen vordringen können, freuen Sie sich besonders? Wo sehen Sie die größten Wachstumschancen für den Einsatz von Geokunststoffen?


Der US-amerikanische Markt ist bereits gut konsolidiert und dort gibt es starke Unternehmen und Marken. Es ist ein Markt, auf dem wir nicht nur definitiv das Angebot an Produkten mit Mehrwert erweitern können, sondern wir können auch komplexeren und technisch anspruchsvolleren Anforderungen gerecht werden und Geokunststoffe so auf eine neue Ebene bringen. Der nordamerikanische Markt bleibt also ein interessanter Markt, auf dem wir eine führende Rolle einnehmen könnten.


Zu Asien ist zu sagen, dass das Unternehmen jetzt über zwei Produktionsstätten in China verfügt. Wir sind davon überzeugt, dass man in China nur dann zu den führenden Unternehmen zählen kann, wenn man in China produziert, und zwar mit chinesischen Arbeitern und unter Berücksichtigung der chinesischen Bedürfnisse. In China ist mit einem signifikanten Wachstum des Bedarfs an Baumaterialien im Bereich der Werkstofftechnik zu rechnen.


Europa ist nach wie vor sehr fragmentiert. Die Unternehmen in Europa neigen dazu, sich auf ihr technologisches Wissen zu konzentrieren und verfolgen keinen konsequenten Marktfokus. Wir halten das für einen Fehler. Unser Ziel wird es sein, unsere Wettbewerbsvorteile in Europa – und in Afrika – weiter auszubauen.


Wo liegt bei einer Übernahme dieser Größenordnung das übergeordnete Ziel von Solmax? Wie passt eine solche Übernahme in den strategischen Plan und die Vision des Unternehmens?


Geokunststoffe sind unsere Leidenschaft. Wir waren hocherfreut, dass wir ein wirklich führendes Unternehmen gefunden haben, mit dem wir den Wandel umsetzen und ganz neue Ebenen für Geokunststoffe eröffnen können. TenCate war das perfekte Unternehmen für den Zusammenschluss mit Solmax. Derselbe Sinn für Qualität, derselbe Fußabdruck, dieselbe Vision, das gleiche Engagement, dieselbe Leidenschaft für Geokunststoffe. Es passt einfach perfekt, um gemeinsam mit der Wertschöpfung zu beginnen und die Geokunststoffbranche weiter auszubauen.




Von Todd R. Berger, IFAI

Link zum Original-Interview von der IFAI




Ein Interview mit Jean-Louis Vangeluwe (Präsident Solmax) über die Übernahme von TenCate Geosynthetics

1. Juni 2021